("VN", 21.4.2011)
 

("L'Impartial", 9.5.2007)
 

("Allgäuer Anzeigeblatt", 8.3.2008)
 

("VN", 20.10.2008)
 

 
Entdeckungen im Orgelumfeld

Konzert zum 30. Todestag Paul Dessaus

 

Von Dr. Tatjana Mehner

 

Es ist schon paradox. Aber trotzdem großartig. Ein (beinahe)-Personalkonzert zur 30. Wiederkehr des Todestages des Komponisten und das mit drei Uraufführungen. Dass das älteste der uraufgeführten Werke bereits 90 Jahre alt ist und das jüngste immerhin schon 39, erhöht nur noch den Grad des Paradoxen.

 

Die Klang Projekte Weimar e.V. setzen sich für die Musik Paul Dessaus ein, im Konzertsaal Gera am vergangenen Sonntag. Man hätte es wissen können, wenn man die Arbeit des Vereins um Michael von Hintzenstern kennt: Da gibt es keine Entdeckungen nur um des Entdeckens Willen, sondern Musik, die es wirklich verdient hat. Dennoch, wie großartig stimmig diese gute Stunde Musik sein würde, konnte man kaum ahnen. Aufregend andere Facetten eines der ohnehin schon facettenreichsten Komponisten hatten die Musiker zu bieten.

 

Man würde Paul Dessau nicht unbedingt in die Gilde der großen Orgelkomponisten einreihen, umso überraschender und faszinierender ist das, was er für Orgel geschrieben hat. An der Geraer Sauer-Orgel spielt den ganzen Abend Jürgen Natter, der sich als Könner erweist, was den differenzierten Umgang mit Farbigkeit und Schichtenstruktur betrifft. Wie er sich durch Bachs d-Moll Toccata und Fuge („dorische"; einziger Nicht-Dessau des Abends) knuspert, lässt nichts zu wünschen.

 

Nicht viele Treppenwitze wie diesen hat die Musikgeschichte zu bieten: 1968 schreibt der engagierte DDR-Komponist Paul Dessau eine Orgelparaphrase über "Mariana", ein Werk seines Cousins (!) Jean Gilbert.

 

Jörn Sakuth und Alena-Maria Stolle haben sich mit den faszinierenden Gesangspartien der Dessauschen Werke auseinandergesetzt. Mit klarer Linie gestaltet Sakuth die Psalmvertonungen und Auseinandersetzungen mit Toramelodien. Das ist in einer fast schmerzhaft schönen Klarheit einfach faszinierende Musik. "Erlösung durch die Wahrheit heißt die uraufgeführte Kantate aus dem Jahre 1919. Strauss, Schreker, manchmal Mahler und dann und wann auch Wagner sind harmonisch und gestisch nicht weit. Ein Frühwerk eben, aber kein übles.

 

Auf jeden Fall eine lohnende Entdeckung, auch wenn das Geraer Konzertpublikum nur sporadisch kam. Für den größeren Teil der Werke gilt: ein Wiederhören wäre wirklich schön.

 

...in der Ostthüringer Zeitung, am 30. Juni 2009

 

 




Zur Lesung von ROBERT SCHNEIDER (aus "Die Offenbarung") am 15. November 2007 in der Weimarer Herderkirche


"...zudem hatte Schneider sich mit Jürgen Natter eines Musikers versichert, der auf der Sauer-Orgel den Buchinhalt kongenial ausdeutete und sich ebenso virtuos in der Improvisation bewies..."

Matthias Huth am 17. November auf weimar.eins.de





Zum Duokonzert von "Les Trente-Neuf" am 26. August 2007 in der Pfarrkirche Schwarzach (A)


JÜRGEN NATTER SORGT MIT SEINER ENERGIEGELADENEN SPIELART FÜR FURORE


"Er ist vielen Musikliebhabern im In- und Ausland ein Begriff, weil er mit seinen individuellen Interpretationsansätzen die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im Duo "Les Trente-Neuf" mit der Harfenistin Julia Pritz musizierte er in der Pfarrkirche Schwarzach und bot ein in dieser Besetzung selten zu hörendes Musikerlebnis. Die durchdachte Programmgestaltung führte die Konzertbesucher von allseits Bekanntem zu Neuem von Michael Floredo. Dieser schrieb die "Zwiegespräche für Orgel und Harfe" den beiden Musikern auf den Leib und komponierte ein Werk, das in mehrerer Hinsicht Beachtung verdient.

Einesteils personifizierte Floredo die Instrumente, indem beispielsweise die Orgel zornig anmutende Tonfloskeln mit Nachdruck in den Raum stellt, während die Harfe mit zurückhaltend weitläufigen Linien beschwichtigt. Andernteils formte er das Werk mit plastischen musikalischen Mitteln, lotete die klanglichen Möglichkeiten der Instrumente aus und setzte sie gut proportioniert in Beziehung. Das mitteilsame Werk zeichnete sich zudem durch einen originellen Schluss aus.


 

Authentische Spielart


In so unterschiedlichen Werken wie Louis Viernes "Epitaph" op. 31, "Orpheus" von Franz Liszt und Bachs Toccata und Fuge in d-Moll und den "Zwei kleinen Stücken für Orgel" von Alfred Schnittke zeigte sich die Meisterschaft Natters beeindruckend. Er spielte mit einer ungestümen, jedoch stets präzisen Leidenschaft, indem er sich auch individuelle Freiräume für die Tempowahl vorbehielt. Verbunden mit einer selten so transparent erlebten Registrierung brachte er die musikalischen Konturen zum Glänzen. In einem beziehungsreichen Spiel mit Gewichtungen und musikalischen Perspektivenwechseln modellierte Jürgen Natter die Werkdeutungen, Julia Pritz war ihm dabei eine ebenbürtige Partnerin. Barbara Camenzind rezitierte lyrische Texte von Rilke, Hesse und Heine.

 


Silvia Thurner am 28. August in den "VN"



 




Zum Orgelrécital am 16. März 2007 in St. Ulrich, Götzis (A)


ATEMBERAUBENDES EREIGNIS

 

"Jürgen Natter profiliert sich zunehmend als einer der interessantesten Organisten dieses Landes. Er lebt heute in Weimar, sein Aktionsradius mit Konzertverpflichtungen reicht bereits über den gesamten deutschen Sprachraum. Eine Begegnung in der Pfarrkirche St. Ulrich bestätigt den Eindruck eines Ausnahmetalents.

 

Geahnt hat man es schon beim Abhören seiner ersten Orgel-CD im Dezember: Jürgen Natter muss man live erlebt haben, da kommt er ungeschönt und ohne doppelten Boden zu umwerfenden klanglichen und gestalterischen Ergebnissen. Dafür hat er die 40 Jahre alte mechanische Hradetzky-Orgel mit ihrem prächtigen Pleno und den delikaten Einzelstimmen als adäquates Konzertinstrument entdeckt.

 

Seinen unverkrampften Zugang zu Bach etwa: In glasklarer Registrierung, kraftvoll, zupackend und voll Verve stürzt er sich in die "Dorische", lässt dennoch viel Raum für eine sehr persönliche Deutung. Lässt in der Triosonate c-Moll die Stimmen tänzerisch bewegt zum swingenden Geflecht werden, baut in der abschließenden Passacaglia c-Moll über dem hartnäckigen Bass Bachs geniale Klangarchitektur zu umwerfender Finalwirkung auf.

 

Mit Bedacht gewählt dazwischen farbenreiche Variationen von Liszt (Anm.: "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen") die wiederum auf Themen von Bach basieren und in den ergebenen Choral "Was Gott tut, das ist wohlgetan" münden – hier verblüfft Natter mit rauschenden Kaskaden, die einem fast den Atem nehmen, kostet lustvoll das chromatische Aufbäumen, die delikaten Seufzermotive aus.

 

Und lässt schließlich seiner sprühenden Klangfantasie, dem übermütigen Erfindungsgeist freien Lauf in einer brillanten Improvisation, die ihn als eine Art Till Eulenspiegel der Orgel ausweist. Ein Konzert von ereignishaftem Zuschnitt. Und ein grenzgenialer junger Musiker, der am Beginn einer ganz großen Karriere steht."


Fritz Jurmann am 19. März 2007 in den "VN"




 


PRESSENOTIZEN ZUR PORTRAIT-CD DER GEBRÜDER MAYER-ORGEL ZU RIDDES/VS (CH)



- Fritz Jurmann in den "Vorarlberger Nachrichten" am 09. Dezember 2006:


"Wenig bemerkt von der heimischen Musikszene, ist mit dem Feldkircher Jürgen Natter eine hoch interessante junge Organistenpersönlichkeit herangewachsen.

Mit großem Impetus und technischer Brillanz stürzt sich Natter in Bachs geläufige Toccata und Fuge d-Moll, zeigt seine junge Meisterschaft auch an einer komplexen finalen Passacaglia von Schostakowitsch. Dazwischen liegen, klug gewählt, farbenfroh registriert und stilkundig gespielt, Romantisches von Brahms und Liszt und vor allem Michael Floredos ungestümes "Perpetuum mobile" für drei Organisten. Ein faszinierendes Plattendebüt."

 


- Silvia Thurner in der Ausgabe 10/2006 der "KULTUR":


"Die traditionsreiche Orgelbaufirma Mayer aus Feldkirch errichtete vor kurzem in Riddes-Ecône (CH) ihr Opus 358. Jürgen Natter bespielte das Instrument und legt nun eine Porträt-CD vor, mit der er sich selbst als Organist und zugleich die neue Orgel vorstellt. Werke von Bach, Brahms, Liszt, Schostakowitsch und Floredo bilden ein breites Spektrum und zeigen die Vielseitigkeit des Organisten, der bei Elisabeth Zawadke und Guy Bovet ausgebildet wurde.

An der berühmten Toccata und Fuge in d-moll von Bach besticht der temperamentvolle Zugriff des Organisten, der mit einer prägnanten Registrierung und in zügigem Tempo die Hauptlinien gut zur Geltung bringt. Brahms´ Fuge in as-moll erklingt in einer dunklen Klangfärbung und spiegelt, verbunden mit den Seufzermotiven, die Tristesse-Komposition authentisch wieder.

Über Bearbeitungen lässt sich trefflich streiten, das meint auch Jürgen Natter zu seiner Bearbeitung von Franz Liszts symphonischer Dichtung "Orpheus", die er für Harfe und Orgel transkribierte. Der Orgelpart erklingt in ausgewogener Klangbalance zur Harfe (Julia Pritz), allerdings stellt sich ein weiter musikalischer Bogen nicht ein, weil die Orgelstimmen von der Dynamik her zu statisch wirken (sic).

Ein tiefer Liegeton und kristallene Tonfloskeln ziehen den Hörer unmittelbar in Michael Floredos Toccata "Perpetuum Mobile" hinein. In Schüben entwickelt sich der dichte Satz, unterbrochen von Wechseltonpassagen, die immer aufs Neue energetischen Anlauf für Klangschichtungen nehmen und sich derart durchdringend steigern, dass der Klang ins beinahe Geräuschhafte umkippt. Floredo legt mit dieser Toccata ein wirkungsvolles Werk vor, das drei Organisten (Jürgen Natter, Simon Peguiron und Benjamin Guélat) beansprucht und auch fordert.

Auch die abschließende Werkdeutung der Passacaglia aus op. 29 von Dmitrij Schostakowitsch überzeugt durch transparente, vielschichtige Registrierung und straffe Linienführung.

 


- Anna Mika in der "NEUEN" am 22. November:


"Der Vorarlberger Organist Jürgen Natter, in Feldkirch und Basel ausgebildet und nun in Weimar lebend, legte kürzlich eine CD vor. Er hat sie unter anderem gedacht als künstlerische Visitenkarte, als solche ist sie ihm hervorragend gelungen und bringt zudem die Vorzüge eines Instrumentes zur Geltung, das die Feldkircher Orgelbaufirma Gebrüder Mayer im schweizerischen Riddes/Wallis kürzlich errichtet hat.

Das klug ausgewählte Programm geht von Bachs berühmter Toccata und Fuge in d-Moll über bekannte und unbekannte KomponistInnen des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu einem Werk von Michael Floredo. Dieses "Perpetuum mobile" für drei Organisten an einer Orgel - neben Natter sind Simon Peguiron und Benjamin Guélat zu hören - wurde bei den Hohenemser Chor- und Orgeltagen aufgeführt. Die Wut über die "Schriftgelehrten und Pharisäer" - Floredo nimmt Bezug auf das Matthäusevangelium - ist deutlich zu spüren.

Bemerkenswert ist auf dieser CD auch die geheimnisvolle Nocturne der 1983 verstorbenen Germaine Tailleferre, dann eine Passacaglia, die Dmitri Schostakowitsch nach seiner Oper "Lady Macbeth von Mzensk" eingerichtet hat, vor allem aber der berührende Dialog zwischen Harfe (Julia Pritz) und Orgel im "Orpheus" von Franz Liszt. Diese und weitere Stücke, von Natter mit Stilsicherheit und Klangsinn ausgeführt, machen die CD wertvoll für alle LiebhaberInnen von Orgelmusik."

 



 
Zum Orgelrécital am 02. Juli 2006 in Stein bei Immenstadt (D):

"Mit zwei Kompositionen von Johann Sebastian Bach, dem Contrapunctus I aus der „Kunst der Fuge“ (BWV 1080) und Toccata und Fuge d-moll (BWV 565), gab Jürgen Natter dem Abend nicht nur einen exzellenten Rahmen, sondern ließ die Hörer auch die Entwicklung eines der größten Komponisten des Abendlandes erahnen.

Mit jugendlichem Feuer präsentierte der 25-jährige die monumentale Toccata und mit Zurückhaltung die filigrane Fuge.

Unter Einsatz weniger 8’-Register, einem Principal, einer Spitzflöte, später einem Bordun und dem 16’-Subbass als Fundament gestaltete der Künstler den Contrapunctus I, ein Spätwerk und Teil des musikalischen Testaments des Thomaskantors. Bach hatte das diffizile Werk für wenige Kenner seiner Kunst geschrieben. Jürgen Natter jedoch gelang es durch seine klare Interpretation, den Musikfreunden die fremdartige Schönheit der Komposition zu erschließen.

Das Magnificat primi toni (BuxWV 203) - ein wichtiges Werk des bedeutenden Vertreters der norddeutschen Organistenschule Dietrich Buxtehude (1637-1707) mit seinen kontrastreichen Sätzen - gab dem Tasten- und Pedalvirtuosen Gelegenheit, die fein abgestimmte Disposition des Instruments mittels einer überlegt geplanten Registrierung in seiner Vielseitigkeit vorzustellen.

In freier Improvisation führte Jürgen Natter das Auditorium in aufregend fremde Klangwelten. Über dem leisen satten Fundament des 16’-Subbasses irrlichterten metallisch-silberne Tonreihen im hohen Diskant, gefolgt von mächtigen, teils wohlklingenden, teils schmerzhaft dissonanten Tutti-Akkorden. Der Piano-Schluss der Improvisation beruhigte die Hörer wieder."

 

(07. Juli 2006, "Allgäuer Anzeigeblatt")

 




 

 Zum Kammerkonzert vom 27. März 2005 in der Propstei St. Gerold (Sigrid Horvath, Alt / Sylvia Burtscher, Flöte / JN, Orgel):

 

"Der Feldkircher Organist Jürgen Natter, mehrfacher Preisträger bei Nachwuchswettbewerben, zeigte sich trotz Handykap mit der "verstimmten" grossen Orgel auch am Orgelpositiv als Perfektionist und intuitiv feinnerviger Mitgestalter. Metrisch exakt setzte Natter die Barocktempi, ohne dabei in eine Sterilität zu verfallen..."

 

(29. März 2005, "Vorarlberger Nachrichten")






Zum Récital am 14. April 2004 an der Metzler-Orgel im Dom zu Feldkirch (Werke von Bräutigam, Eisler, Asriel, Schmidt sowie einer Improvisation):

 

"Walfried Kraher hat den Grundstein zu seiner Entwicklung gelegt, Günther Fetz und Elisabeth Zawadke haben das Ihrige beigesteuert. Und so konnte sich der junge Künstler (1981 geboren) zu einem sehr ernst zu nehmenden Organisten entwickeln. So bewiesen beim ungemein spannungsreichen Abend im Feldkircher Dom. Natter weiss das "Drama" zu vermitteln mit der Toccata von Volker Bräutigam sowie den "7 Klavierstücken op. 32" von Hanns Eisler, die der junge Orgelvirtuose für sein Instrument eingerichtet hat.

Offensichtlich fasziniert den Musiker das Wort und wie die Musik darauf reagiert. Ahnen konnte man es schon bei Schmidts Zwischenspielen aus dem Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln". Absolut klar wurde der Stellenwert des Wortes in Jürgen Natters Zugang zur Musik bei seiner Improvisation über das Gedicht "Grodek" von Georg Trakl, bei der er sich als würdiger Schüler seines ersten Lehrers erwies. Ein besonderer Abend."



(Eva Jakob in den "VN", 16. April 2004)




 


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